… wenn Weihnachten egal wird

Mann mit Nikolausmütze

Ich liebe Spekulatius. Die ganz billigen aus dem Supermarkt sind mir am liebsten. Wenn ALDI, REWE & Co. Anfang September die ersten Weihnachtsregale aufbauen, greife ich zu. 89 Cent pro Packung finde ich mehr als fair, und ich decke mich direkt für die Wintermonate ein. Das war’s dann aber auch mit der weihnachtlichen Vorfreude.

Es gab Zeiten, da war ich zum Beispiel an jedem zweiten Abend auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs. Hier ein Glühwein, da ein Glühwein – am liebsten schon vor Totensonntag. Der Advent-Event-Charakter hat bei mir als „Teen“ und „Twen“ noch voll funktioniert. Dick eingepackt und mit weihnachtlicher Pop-Musik auf den Ohren durch die Menschenmassen. Sich an Lichtern und Leuten erfreuen. Zwischendurch noch ein fettiges Schinkenbratenbrötchen, und die Welt war in Ordnung.

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In diesem Jahr habe ich es bislang noch gar nicht auf den Weihnachtsmarkt meiner Heimatstadt geschafft. Ich habe aber vermutlich auch nichts verpasst. Die immer gleichen Stände stehen an der immer gleichen Stelle – als wären sie nie weg gewesen. Das einzige, was sich beständig ändert, sind die teils unverschämten Preise. Mein Jahresgehalt steigt jedenfalls nicht so schnell wie die Glühwein-Preise. Auf das fettige Schinkenbratenbrötchen verzichte ich ebenfalls gerne. Von dem gesparten Geld fülle ich lieber zwei Wochen lang meinen Kühlschrank!

„Das lohnt sich jetzt auch nicht mehr“

Auch die Kiste mit Weihnachts-Deko steht in diesem Jahr unangetastet auf meinem Kleiderschrank. Sterne, Kugeln, Lichterketten, Kerzenständer, Kränze – bis ich das alles ausgepackt hätte, wäre schon wieder Ostern. „Das lohnt sich jetzt auch nicht mehr“, denke ich mir. Ich bin sogar zu faul, das Hintergrundbild auf meinem Computer gegen eine Schneelandschaft oder einen heißen Nikolaus zu tauschen. Kein Wunder, dass ich nicht in Weihnachtsstimmung komme. Und das ist voll okay.

Als Kind kamen mir die vier Wochen bis zur Bescherung wie eine Ewigkeit vor. Da halfen auch die kleinen Überraschungen im Adventskalender kaum. Als berufstätiger Erwachsener brauche ich definitiv keine täglichen Türchen mehr, damit die Zeit bis Heiligabend schneller rumgeht. Je älter ich werde, desto schneller rauscht die komplette Adventszeit an mir vorbei – wie ein ICE auf freier Strecke. Sie ist mit den Jahren so selbstverständlich geworden, dass ich sie nicht mehr groß beachte. Im Zweifel steht Weihnachten ja im nächsten Jahr eh wieder vor der Tür.

Kinder können sich wenigstens auf eine reiche Ausbeute bei der Bescherung freuen. Als Erwachsener bin ich wiederum in der glücklichen Lage, dass ich mir selbst alles kaufen kann, was ich brauche. Was ich nicht brauche, will ich auch nicht geschenkt haben. Das soll hier keine abgedroschene Konsumkritik werden, aber: Spendet das Geld einfach für einen guten Zweck, statt Euch gegenseitig unnötige Aufmerksamkeiten unter den ggf. vorhandenen Baum zu legen. (Okay, dieses Buch ist natürlich trotzdem ein schönes Weihnachtsgeschenk! ;-))

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Weihnachten spielt natürlich wieder eine größere Rolle, wenn man selbst Kinder im Haus hat. Wenn man wieder hautnah den Zauber erlebt bzw. den Zauber als Eltern selbst veranstaltet. Wenn man in der Küche die Weihnachtsbäckerei eröffnet und in Spielzeugläden die Zeit vergessen darf. Wenn man gemeinsam bastelt und singt und für jede kleine Überraschung mit leuchtenden Kinderaugen belohnt wird. Das ist dann wohl der „Geist der Weihnacht“, wenn man dieses künstlich erzeugte Gefühl so nennen darf. Wenn Traditionen für Geborgenheit und Rituale für Gänsehaut sorgen. Ein psychologischer Streich. Ich gönne ihn wirklich jedem, dem er gut tut. Ich möchte hier nicht den „Grinch“ spielen und mit dem moralischen Zeigefinger aufklären. Ich persönlich will meine Stimmung aber auch nicht mehr von einem willkürlich festgelegten und zudem noch religiös motivierten Anlass abhängig machen.

„Das kommt mir heuchlerisch vor“

Auch das ist wohl ein Grund, warum ich in meinem Alter nüchterner an Weihnachten herangehe: Ich möchte kein Fest feiern, das an einen Verein gebunden ist, dem ich bewusst den Rücken gekehrt habe. Das kommt mir heuchlerisch vor. Ich kann nicht auf der einen Seite auf die Kirche schimpfen und den abgeklärten Agnostiker mimen – und auf der anderen Seite einen Heiden-Spaß daran haben, mir die Rosinen aus dem Angebot dieses Vereins rauspicken. Rosinen mag ich glücklicherweise sowieso nicht. Deshalb kann ich gelassen an jedem Christstollen vorbeigehen.

Gleichzeitig will ich nicht päpstlicher als der Papst sein und niemandem die Freude am Fest vermiesen. Entkommen können wir der Berieselung im Dezember ja sowieso nicht. Weihnachten steht vor der Tür – egal ob ich sie öffne oder nicht. Ehrlich gesagt gibt es auch echt Schlimmeres als weihnachtliche Grußkarten von der Sparkasse oder „Last Christmas“ im Radio. Sich über den Besinnlichkeits-Terror zu ärgern oder gar zu verweigern, bringt rein gar nichts. Dafür ist die Weihnachts-Lobby viel zu mächtig.

Lasst uns also nicht den Weihnachts-Muffel spielen und der Weihnachtszeit nach Möglichkeit etwas Gutes abgewinnen! Ich freue mich einfach auf die paar freien Tage. Auf die Gelegenheit, Freunde zu treffen, gemeinsam zu essen und zu spielen. Auf die Billig-Spekulatius aus dem Supermarkt. Oder darauf, einfach mal die Füße hochlegen. Das kommt nämlich das ganze Jahr über zu kurz.

Direkt nach Weihnachten droht ja auch noch Silvester. Noch so ein Tag, der mir mit dem Alter immer „egaler“ wird. Geht’s Euch auch so? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare unter diesem Artikel!

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