… wenn Du vergisst, wie alt Du bist

Alter vergessen - Teaserbild

„Weißt Du schon, wie alt Du bist?“ – Wenn man Kindergarten-Kinder nach ihrem Alter fragt, strecken sie einem stolz die Hand entgegen und zeigen mit den Fingern wahlweise eine drei, vier oder fünf. Mit jedem weiteren Lebensjahr wachsen sie nicht nur körperlich, sondern auch innerlich. Älterwerden ist für sie noch etwas Schönes, etwas Erstrebenswertes.

Es hat ja auch mehr Vorteile als Nachteile für sie: Sie dürfen dann länger aufbleiben, sie dürfen mehr Fernsehen gucken, sie bekommen mehr Taschengeld. Mindestens bis zur Pubertät lohnt es sich definitiv, älter zu werden. Endlich ernst genommen werden. Endlich Schluss mit „Das darfst Du erst, wenn Du groß bist …“

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Dieses Gefühl gipfelt im 18. Geburtstag. Jahrelang fiebern Teenager darauf hin und feiern jeden ihrer Geburtstage auf dem Weg dorthin als Etappenziel. Die Volljährigkeit fühlt sich dann wie der Zieleinlauf eines schier unendlichen Marathons an – und löst dank spät-pubertärer Hormon-Irritationen auch ähnliche Glücksgefühle aus: „Jetzt bin ich frei!“ „Jetzt darf ich alles!“ – „Jetzt habt ihr mir gar nichts mehr zu sagen!“

Zumindest auf dem Papier ist man mit 18 ganz offiziell erwachsen: Man darf in Deutschland wählen, Auto fahren, harten Alkohol kaufen und die schlimmsten Horror-Filme im Kino gucken. Die Rechte sind natürlich attraktiver als die Pflichten: Dass man mit 18 auch mehr Verantwortung hat, spielt in ihren Köpfen meist noch keine so große Rolle. Hauptsache Führerschein!

„30 ist das neue 40!“

22, 25, 28, … Die weiteren Jahre vergehen wie im Flug, während man sich durch Ausbildung oder Studium kämpft, die ersten Praktika und Jobs durchlebt und vielleicht auch schon sowas wie Familienplanung in Angriff nimmt. Dann kommt nur noch die viel gefürchtete 30. Danach ist das Leben vorbei. Ende. Aus. Micky Maus.

Nein, Quatsch! Mit 30 ist das Leben natürlich noch lange nicht vorbei. „30 ist das neue 40!“ – Wir können froh sein, in einer Zeit zu leben, in der man auch mit 30 noch in Discos und Freizeitparks gehen oder sich beruflich orientieren darf. Du darfst mit 30 noch herrlich albern sein, und wer mit 30 noch nicht mit Frau, Kind und Hund im Eigenheim sitzt, wird auch nicht so schief angeguckt, wie es in früheren Jahrzehnten vielleicht noch üblich war. Aber: Ab 30 merkst Du Schritt für Schritt, wie egal es wird, wie alt Du bist.

„Wie alt bist Du?“ – Früher konntest Du wie aus der Pistole geschossen die richtige Antwort geben. Wenn Dich heute jemand fragt, springt in Deinem Kopf die Rate-Melodie von „Jeopardy“ an. Wie in der Game-Show formulierst Du Fragen: „Wie alt bin ich eigentlich?“„Hatte ich in diesem Jahr schon Geburtstag?“„Bin ich jetzt 37 oder 38?“„Was für ein Jahr haben wir überhaupt?“ – Nur die Antworten wollen Dir partout nicht einfallen.

Dann beginnst Du also zu rechnen: Du guckst zuerst, welche Jahreszahl Dein Computer oder Handy anzeigt. Dann erinnerst Dich an Dein Geburtsjahr, das Du immerhin noch auf Anhieb weißt. Du versuchst, die Differenz beider Zahlen zu ermitteln. Im Kopf. Irgendwie. Weil Du auch schon lange nicht mehr Kopfrechnen trainiert hast, entsteht nun eine peinliche Gesprächspause. Wie konnte Dich Dein Gegenüber nur so bloßstellen? Du gibst also lächelnd zu: „Wie alt ich bin? Moment, da muss ich doch tatsächlich nachrechnen … was schätzt Du denn?“ – Eine Gegenfrage. Du willst Zeit gewinnen. Du brauchst die Zeit. Du wirst alt.

Warum das Alter im Alter immer unwichtiger wird

Mal ehrlich: Anders als in Deinen Kinder- und Jugendjahren wird Dein Alter im Alter immer unwichtiger. Ob Du jetzt 32, 46 oder 59 bist, ändert im Alltag so gut wie nichts mehr an Deinen Rechten und Pflichten als Staatsbürger. Okay, Du musst mindestens 40 sein, um in Deutschland Bundespräsident werden zu können. Aber Du musst Deinen Ausweis nicht mehr vorzeigen, wenn Du Zigaretten kaufst oder in einen Nachtclub gehen willst.

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Auch Altersunterschiede spielen keine große Rolle mehr: Ein 10-Jähriger und ein 20-Jähriger haben sich in der Regel wenig zu sagen. Dafür sind ihre Lebenswelten viel zu unterschiedlich. Ein 35-Jähriger dagegen kann sich problemlos und auf Augenhöhe mit einem 55-Jährigen unterhalten, ohne dass es für einen der beiden schräg wirkt. Beide gehören einfach dem Club „mittlerer Erwachsener“. Selbst Kinder können mit Deinem konkreten Alter wenig anfangen. Du bist für sie einfach „erwachsen“. Punkt.

Kein Wunder also, dass wir unser Alter oft nicht parat haben, wenn wir danach gefragt werden. Es spielt einfach keine Rolle mehr. Dafür vergehen die Wochen, Monate und Jahre auch viel zu schnell. Kaum hattest Du Geburtstag, schon steht das Weihnachtsfest vor der Tür – und umgekehrt.

Zumindest bei runden Geburtstagen hältst Du kurz inne und hast das Gefühl, Dich psychisch an die neue Ziffer vorne gewöhnen zu müssen. Statt einzelne Jahre nachzuhalten, werden Jahrzehnte zur relevanten Größenordnung für Dein Leben. Und: Irgendwann und früh genug wird die Zeit kommen, in der wir wieder stolz auf jedes Lebensjahr sein werden. So ab 80 oder 90, wenn jedes weitere Jahr im Volksmund als reife Leistung gilt. Wenn uns die Jüngeren dafür bewundern, wie fit wir noch sind. Wir werden im hohen Alter sicher so einiges vergessen. Unser Alter vermutlich nicht mehr.

Wie alt fühlt Ihr Euch? Und welche Rolle spielt Euer Alter für Euch? Ich freue mich über Eure Erfahrungen und Gedanken in den Kommentaren unter diesem Artikel!

4 Gedanken zu „… wenn Du vergisst, wie alt Du bist“

  1. Hallo Stefan,
    habe den Blog gerade „für mich“ entdeckt. Ich bin eine richtige Panikerin was das Alter angeht. Ich werde dieses Jahr 28 und habe panische Angst vor der berühmten 30. Alles was du hier schreibst kommt mir jetzt schon so bekannt vor. Dabei werde ich vom Aussehen viel jünger geschätzt (Meistens auf 20-23). Das hilft mir aber ja nicht….bald bin ich halt 30. *heul*
    Musste bei manchen deiner Artikel schon sehr lachen, vor allem dem „1 Live Artikel“..geht mir nämlich genau so. Radio nervt mich langsam und diese David Guetta Schiene geht mir tierisch auf den ….
    Werde den Blog mal abbonieren, ist echt lustig hier 😉

    1. Mensch, Jana! Das ist aber mal eine sehr nette Rückmeldung. Herzlichen Dank dafür! Ich freue mich wirklich sehr, wenn Dir die bisherigen Artikel ein wenig Freude gemacht haben … Wie ich so gerne sage: Lasst uns gemeinsam alt werden – dann macht das Ganze wirklich noch mehr Spaß! 🙂 Und falls Du mal Themenvorschläge oder sonstige Ideen hast, dann freue ich mich ebenfalls auf Deine Rückmeldungen. Liebe Grüße, Stefan Malter

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