… wenn Achterbahnfahren zur körperlichen Belastung wird

Achterbahn Looping

Auf die schnellste Achterbahn der Welt habe ich mich wochenlang gefreut! Sie heißt „Formula Rossa“ und ist die Hauptattraktion im Freizeitpark Ferrari World in Abu Dhabi. Wer sich hier mit 240 (!) km/h über die Schienen schießen lässt, muss sogar eine Schutzbrille tragen.

Eingang zur Achterbahn Formula Rossa in Ferrari World, Abu Dhabi

„Pflichtprogramm für jeden Achterbahn-Fan“, denke ich mir und schlängele mich an den üblichen Warnhinweisen vorbei: „Nicht für Schwangere“, „nicht bei Herzproblemen“, diese typischen Sicherheits-Piktogramme halt. Kurz vorm Start dreht sich ein junges Mädel im Sitz vor mir um, schaut mich an und sagt: „You’ll see: It’s really awesome!“

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Dann der Abschuss – von 0 auf 240 in nicht mal 5 Sekunden! Der Fahrtwind ist so krass, dass ich keine Luft mehr bekomme. Ich werde durchgeschüttelt und schaffe es in dieser Extrem-Situation nicht, entspannt zu atmen. Ich kann die Fahrt nicht stoppen, fühle mich ausgeliefert und bekomme Panik. Mein ganzer Körper verkrampft. Ich schließe die Augen und hoffe, dass ich nicht ohnmächtig werde. Es soll einfach nur aufhören. Einfach nur aufhören. Das ist die mit Abstand schlimmste Achterbahn-Fahrt meines Lebens!

Achterbahn Formula Rossa im Freizeitpark Ferrari World in Abu Dhabi
Die schnellste Achterbahn der Welt: „Formula Rossa“ im Freizeitpark „Ferrari World“ in Abu Dhabi

Blut geleckt

Ich habe vermutlich mehr Achterbahn-Erfahrung als Max Mustermann, der Durchschnitts-Deutsche. Blut geleckt habe ich schon früh, und zwar mit 8 Jahren im Phantasialand in Brühl bei Köln. Die „Gebirgsbahn“ (Bobbahn I) und die kleinere „Grand Canyon“-Bahn waren dort in den 80er-Jahren die Haupt-Attraktionen. Außerhalb der Hauptsaison hatte man oft Glück, durfte nach der Fahrt einfach sitzen bleiben und dann nochmal und nochmal und nochmal fahren. Bei jeder Runde durch die engen Pappmaché-Schluchten habe ich damals instinktiv den Kopf eingezogen und vor Freude gequietscht. Abends im Bett konnte ich die gesamte Strecke noch auswendig und bin sie in Gedanken nochmal und nochmal und nochmal gefahren. Eine wunderschöne Kindheitserinnerung.

2001 kam es in der „Grand Canyon“-Bahn leider zu einem fatalen technischen Defekt, der zu einem Großbrand führte. Meine heißgeliebten Phantasialand-Achterbahnen konnten nicht gerettet werden. Die Überreste der Attraktionen wurden komplett abgerissen.

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Über die Jahre habe ich viele weitere Freizeitparks kennen und lieben gelernt – in Deutschland und auf der ganzen Welt. In nahezu jedem bereisten Urlaubsland habe ich einen landestypischen Freizeitpark besucht – von Dänemark bis Malaysia, von Holland bis Argentinien, von Spanien bis Hong Kong. Mit diesen vielen Erlebnissen könnte ich bestimmt einen eigenen Blog füllen. Hier in diesem Artikel soll es aber ja nur um Achterbahnen gehen – und wie ich als großer Achterbahn-Fan mit jedem Lebensjahr die Freude am Achterbahn-Fahren verloren habe.

Unangenehm rasant

An meinem 30. Geburtstag war ich also seit langer Zeit mal wieder im Phantasialand. Symbolischer kann man einen runden Geburtstag mit bedeutungsschwangerer Altersgrenze wohl kaum feiern. Auf der Liste hatten wir natürlich auch die „Black Mamba“, ein sogenannter „Inverted Coaster“ und damals noch eine relativ junge Attraktion im Park. Die Fahrt mit Loopings, Schrauben und sonstigen Schikanen kam mir an dem Tag aber doch ziemlich rasant vor. Unangenehm rasant. Ich hätte außerdem gerne darauf verzichtet, dass mein Körper so ruckartig um die engen Kurven geschleudert wird. Sollte mich das als großer Achterbahn-Fan beunruhigen? Ich habe ich es damals einfach auf meine Tagesform geschoben.

Mein Körper wird offenbar generell nicht mehr so gerne durchgeschüttelt. Das lässt er mich auch auf „Bandit“ spüren, der typisch amerikanischen Holzachterbahn im „Movie Park Germany“. In US-Serien oder Hollywood-Filmen sehen Holzachterbahnen ja immer so majestätisch aus, nach großem Spaß, bei dem man am liebsten die Arme hochreißen und freudig juchzen will. In Bottrop-Kirchhellen dagegen halte ich mich krampfhaft an der Halterung fest und hoffe, dass mein Rücken das Ruckeln aushält, ohne ernsthaft Schaden zu nehmen. Ganz schön anstrengend! Muss sich eine Achterbahnfahrt so anfühlen? Ich glaube, ich werde alt.

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Auch wenn ich es immer öfter bereue: Ich kann das Achterbahnfahren (noch) nicht lassen! Ob im Disneyland in Kalifornien oder im Ocean Park in Hong Kong, ob im Circus Circus in Las Vegas oder eben in Ferrari World in Abu Dhabi: Zu groß ist die Hoffnung, dass ich das Kindheitsgefühl, diesen angenehm-kribbeligen Adrenalin-Kick reproduzieren kann. Schon beim Einsteigen fühle ich mich unwohl: Die Sitze kommen mir viel zu klein und unbequem vor. Bei der Fahrt presse ich dann meinen Oberkörper verkrampft zwischen die drückenden Sicherheitsbügel. Bis zum Ende hoffe ich einfach, dass mein Nacken die vielen ruckartigen Bewegungen heil übersteht. Kopfschmerzen vorprogrammiert! Warum tun sich Menschen sowas überhaupt an?

Gesundheit geht vor!

Das frage ich mich auch während meiner Panik-Attacke im Freizeitpark „Ferrari World“. Die Fahrt mit der schnellsten Achterbahn der Welt dauert nur 90 Sekunden. Trotzdem würde ich in „Formula Rossa“ nie wieder einsteigen – bei aller Freude am Nervenkitzel. Ich bin zu alt, um mich einer Situation auszusetzen, die mir nicht gut tut. Deshalb nehme ich mir fest vor, ab sofort vernünftiger sein. Gesundheit geht vor!

Stattdessen setze ich mich nur noch in harmlose Fahrgeschäfte – wie den „Free Fall Tower“ zum Beispiel. Auf den flauen Magen beim freien Fall will ich nämlich noch lange nicht verzichten. Ein bisschen Adrenalin muss auch mit Ende 30 noch sein. Sooo alt bin ich nun auch wieder nicht! 😉

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